Warum die Welt verrückt spielt

Die täglichen Nachrichten sind seit Jahren zunehmend negativ. Verbrechen aus Hass, Neid, Rache und Gegenrache dominieren das Geschehen. Als ob dies nicht ausreichte, beginnt auch die Natur zunehmend verrückt zu spielen. Die Kosten für Umweltschäden explodieren und die Frage, wann die Weltwirtschaft durch diese Schäden überfordert wird, rückt in greifbare Nähe.

Auf der Suche nach den letzten Ursachen finden wir uns selbst. Unser zunehmendes Wissen befähigt uns, wie Goethes Zauberlehrling in natürliche, wirtschaftliche, soziologische und politische Abläufe immer radikaler einzugreifen, ohne die Konsequenzen auch nur ahnen zu können, da die Empfindlichkeit gegen Eingriffe erst nach und nach bekannt wird und die Konsequenzen radikaler Eingriffe ohnehin unvorhersehbar und fast immer negativ sind.

Es erscheint uns unbegreiflich, wieso denkende Menschen so irrational handeln können, aber wir vergessen, dass wir selbst trotz gesundheitsschädigenden Übergewichtes gut essen, trotz drohenden Lungenkrebses vielfach rauchen und trotz ruinösen Nachwuchsmangels sorgfältig verhüten.

Die Antwort ist recht einfach. Wir halten uns für klüger als wir sind. Nicht das Großhirn dominiert unser Handeln. Es ermöglicht nur bescheidene Eingriffe in die über Jahrmillionen ausgereiften Programme des Zwischenhirns, die weitgehend automatisch ablaufen. Darüber hinaus regelt der Hirnstamm als ältester Gehirnteil die elementaren Lebensbedürfnisse wie Atmung, Stoffwechsel, Geschlechtstrieb usw. auf primitivster Basis.

Das Zwischenhirn ist die Materialisation eines Planes zur Bewältigung der Welt aufgrund einer Hypothese. Diese ist optimal in einer unveränderlichen, oder einer sich so langsam verändernden Umwelt, dass sie eine Anpassung der Zwischenhirnstrukturen ermöglicht. Mit unserer noch sehr jungen, unausgereiften Großhirnintelligenz haben wir jedoch die Umwelt viel zu schnell verändert. Die archaischen Zwischenhirnprogramme aus dem Urwald passen nicht mehr für unsere moderne Welt.

Sämtliche Zugänge zur Außenwelt erfolgen jedoch nach wie vor über das Zwischenhirn und werden von diesem kontrolliert und modifiziert, da wir noch nicht gelernt haben, die elementaren Lebensbedürfnisse ohne die Programme des Zwischenhirns zu meistern. Durch die obenerwähnte Modifikation kann aber unser Weltmodell nicht völlig rational sein, da immer wieder Komponenten einer archaischen Vergangenheit eingeschleust werden. So entsteht die Vielfalt irrationalen menschlichen Handelns (Kriminalität, Kriege, Terror, Machtstreben, Raffgier, Entkopplung sexuellen Lustempfindens von Fortpflanzung, ...).

Dunkelangst und Gespenstersehen sind Relikte aus dem Dschungel. Bei freiem Verhalten auf Großhirnbasis würden wir jedoch gegen vitale Bedingungen verstoßen.

Andererseits hat das Großhirn die Bedingungen und Möglichkeiten unserer Existenz radikal erweitert. Dies ermöglichte zunächst eine viel größere Zahl von Menschen zu ernähren, als es unter natürlichen Bedingungen der Fall wäre. Dadurch begaben wir uns jedoch in eine Abhängigkeit von Raubbau an begrenzten Resourcen und von Eingriffen in ein äußerst labiles Klimagleichgewicht, welche die Existenz der Menschheit auf dieser Basis zeitlich begrenzen. Obwohl dadurch entsetzliche Katastrophen in absehbarer Zeit heraufbeschworen werden, verschließen wir uns dieser Tatsache mit erschütternder Naivität.

Der Begriff Homo Sapiens entstammt einem Traum aus der Zeit der Aufklärung. Wir haben noch keine rationale Freiheit, deshalb passt er noch nicht auf uns. Unser anachronistischer Hirnaufbau setzt der Rationalität und der Entscheidungsfreiheit Grenzen. Einsicht und Handeln entsprechen einander nicht. Dies erkennen ist alles was wir können.

Wir begegneten diesem Sachverhalt mit der "Sabotage-Hypothese" (das Böse ist außerhalb). Auf dieser Hypothese basiert die Erfindung des Teufels oder der Konterrevolutionäre (Ausbeuter). Diese zu bekämpfen erscheint unter dem Licht dieser Hypothese fast wie eine moralische Verpflichtung. So entstand der Exorzismus und die Revolution. Trotz dieser Maßnahmen stellte sich jedoch keine Verbesserung ein. Sie haben nur maßloses Elend über die Menschen gebracht.

Hölderlin: Nichts lässt die Erde sicherer zur Hölle werden, als der Versuch sie zum Himmel zu machen.

Rationale Pläne sind auf die irrationale Menschenwelt nicht anwendbar, weil sie unsere Natur nicht berücksichtigen (Beispiel: im Kommunismus sind alle Menschen gleich, aber manche sind gleicher!). Seltsamerweise berücksichtigen wir diesen Sachverhalt bei der Behandlung von Einzelindividuen in Recht, Medizin und Psychologie. Im Bereich der Soziologie, Politik, Wirtschaft usw. bleibt er unberücksichtigt.

Dies liegt wohl nicht zuletzt daran, dass Politiker und Wirtschaftsbosse so sehr in Tagesprobleme und Machtkämpfe verstrickt sind, dass sie kaum Zeit für das Studium der biologisch-historischen Ursachen menschlicher Denkstrukturen haben und natürlich erst recht nicht für die Erarbeitung tiefgreifender Konsequenzen und deren Umsetzung.

Hinzu kommt, dass naturwissenschaftliches Denken nur auf einen kleinen Bruchteil der Menschheit beschränkt ist. Ein Geo-Artikel über Kreationismus, der zeigte, dass im fortschrittlichen Amerika die Evolutionslehre Darwins bis ca. 1960 an Schulen verboten war und dass George Bush den Kreationismus als Pflichtfach an Schulen einführen möchte (die Welt wurde vor wenigen Jahrtausenden in 6 Tagen erschaffen usw., was nur 10% der Amerikaner strikt ablehnen) führte zu Leserbriefen, die zeigten, dass auch in Deutschland, selbst unter Geo-Lesern, die Situation kaum besser ist.

Die meisten Menschen leben in den Tag hinein, setzen alle Umweltsünden weiter fort und staunen über die zunehmenden Katastrophen. Dass durch das Abschmelzen der Gletscher nicht nur die Versorgung mit sauberem Wasser dahinschmilzt, sondern dass durch die Gewichtsentlastung auch die Plattentektonik beeinflusst wird, kümmert heute noch kaum jemanden. Dabei hat sich Alaska in wenigen Jahren um einen Meter gehoben, weil die pazifische Platte sich jetzt schneller unter die amerikanische schiebt. Erdbeben und Vulkanismus nehmen zu.

Es ist an der Zeit, allen Menschen baldmöglichst die Kurzfristigkeit der Konsequenzen ihres selbstmörderischen Handelns und ihre Verantwortung für das Weiterbestehen der Menschheit bewusst zu machen. Dies muss die wichtigste Aufgabe des Erziehungs- und Bildungswesens und der Medien werden.